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Potentiale der Selbsthilfe bei der Früherkennung und Behandlung depressiver Störungen bei Menschen mit chronischer Erkrankung

Förderung

Das Projekt wurde von der Techniker Krankenkasse gefördert.

 

Projektlaufzeit

01.11.2016 - 31.12.2017

 

Projektbeschreibung

In der psychosomatischen Medizin sind in den letzten Jahren Einschränkungen der Lebensqualität und psychische Komorbiditäten bei chronischen körperlichen Erkrankungen systematisch untersucht worden. Eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit und die Verletzung der körperlichen Integrität sind erhebliche Veränderungen, die mit einer chronischen körperlichen Erkrankung einhergehen können und bewältigt werden müssen. Auch kann eine subjektiv empfundene oder objektiv beschreibbare Lebensbedrohung eine erhebliche Belastung für diese Patientinnen und Patienten darstellen. Schmerzen können erheblich beeinträchtigen und aversiv erlebte therapeutische Maßnahmen können z.T. auch wiederholt und regelmäßig erforderlich sein. Neben den unmittelbar indizierten medizinischen Maßnahmen wird nicht selten eine Abhängigkeit vom medizinischen System insgesamt erlebt, Hilflosigkeit kann auftreten, persönlich bedeutsame Werte und Rollen können wegfallen und das Selbstbild insgesamt bedroht werden.

Dies alles birgt das Risiko möglicher depressiver Störungen als Folgeerkrankung in sich.

Der Austausch in der Selbsthilfe bietet eine hervorragende Möglichkeit, um diese Problematik gezielt bei chronisch kranken Menschen zu thematisieren und so einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung depressiver Störungen zu leisten sowie auf mögliche therapeutische Maßnahmen hinzuweisen.

In dem Projekt „Depressionen und psychosomatische Störungen bei Behinderung/chronischer Erkrankung im Fokus der Selbsthilfe“ der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW wurden die Potentiale einer proaktiven Selbsthilfearbeit in diesem Bereich bereits sehr gut herausgearbeitet.

Andererseits war aber zu Beginn des vorliegenden Projekts immer noch zu konstatieren, dass die Verantwortlichen in den allermeisten Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen für die Gesamtthematik „Depression und chronische Erkrankung“ noch nicht hinreichend sensibilisiert sind. Es fehlt vielfach an Wissen zu den medizinischen Zusammenhängen, zu Indikatoren für die Früherkennung depressiver Störungen und zu möglichen Behandlungsoptionen. 

Obgleich es sich um ein indikationsübergreifendes Thema handelt, fehlte es bisher an einem verbändeübergreifenden Austausch insbesondere zu den Potentialen einer proaktiven Selbsthilfearbeit in diesem Bereich.

 

Projektdurchführung

Mit dem Projekt „Potentiale der Selbsthilfe bei der Früherkennung und Behandlung depressiver Störungen bei Menschen mit chronischen Erkrankungen“ wurden die genannten Erkenntnisse und Strategiedefizite aufgearbeitet. Im Rahmen einer Fragebogenaktion bundesweit wurde eine Erhebung des Ist-Zustandes der Arbeit der Verbände in diesem Bereich durchgeführt sowie Konzepte für Sensibilisierungs- und Aufklärungsveranstaltungen in den Selbsthilfeorganisationen auf Bundesebene entwickelt.

Im Rahmen von Einzelgesprächen wurden die von den Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedsverbände erarbeiteten Materialien vorgestellt und diskutiert. Über die Verbreitung von Wissen, über die Auseinandersetzung mit der Thematik „Depression und chronische Erkrankung“ in den Verbänden wurde hier ein wichtiger Beitrag zur Sensibilisierung potentiell betroffener Menschen geleistet.

Im Einzelnen wurden folgende Projektschritte umgesetzt:

  • Die Erkenntnisse aus dem bereits einige Jahre zurückliegenden Projekt „Depression und psychosomatische Störungen bei Behinderung/chronischer Erkrankung im Fokus der Selbsthilfe“ wurde anhand einer Literaturrecherche aktualisiert. 
  • Zur Beantwortung der weiteren Fragestellungen im Projekt wurden in einem zweiten Schritt die vorhandenen Angebote auf Seiten der Verbände erfasst. Anhand eines Fragebogens wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt, ob und welche Angebote die Selbsthilfeorganisationen im Bereich der Depressionen bereithalten. Auf diese Weise sollte ein grundsätzlicher Einblick in das vorhandene Angebotsspektrum der Selbsthilfeorganisationen für diesen Bereich gewonnen werden. Zur Erreichung dieses Ziels wurde ein standardisierter Fragebogen entwickelt. Er beinhaltet unterschiedliche Fragen zu Strukturen der Organisationen und zu den verschiedenen Familienangeboten. Im Fragebogen wurden sowohl organisationsbezogene Daten, wie z. B. die Größe des Verbandes und Art der Erkrankung oder Behinderung, als auch Daten zu depressionsorientierten Angeboten erhoben. 
  • In einem weiteren Schritt wurden die Verbände gebeten, bei ihnen vorhandene Angebote und Informationsmaterialien zum Thema Depression zu übersenden, welche dann vertieft ausgewertet wurden.
  • Hierauf aufbauend wurden sodann die aktuell bestehenden Erkenntnisse gebündelt und in einem ersten Entwurf eines Leitfadens zusammengefasst; dieser wurde in einem Workshop im Dezember mit den Verbänden intensiv diskutiert und nochmals überarbeitet. Der Workshop verdeutlichte nochmals die große Bedeutung des Themas für die Mitgliedsverbände der BAG SELBSTHILFE. Aufgrund der vielen Hinweise aus dem Kreis der Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsverbände konnten noch wichtige Ergänzungen in den Entwurf des Handlungsleitfadens eingearbeitet werden. Dies betrifft insbesondere die Bedeutung einer präventiv orientierten Herangehensweise.
  • Sodann wurde ein Sachbericht erstellt und es wurde die Endfassung des Leitfadens veröffentlicht und bei den Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen verbreitet.

Insgesamt ist festzuhalten, dass das Projekt und insbesondere der im Projekt entstandene Leitfaden einen äußerst bedeutsamen Beitrag geleistet haben, um die Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen zur Thematik depressiver Störungen als Folgeerkrankung von chronischen Erkrankungen zu sensibilisieren und die Früherkennung und Prävention solcher Störungen in der Selbsthilfearbeit verbessern. 

 

Handlungsleitfaden

Hier können Sie sich den Handlungsleitfaden als PDF-Version ansehen und herunterladen:

Download des Handlungsleitfadens „Seelische Belastungen erkennen – eine Arbeitshilfe zur frühzeitigen Erkennung und Bewältigung von Depressionen und psychosomatischen Störungen bei Behinderungen und chronischen Erkrankungen und zur Umsetzung psychopräventiver Maßnahmen in der Selbsthilfearbeit“ als PDF-Datei

 

Ansprechperson

BAG SELBSTHILFE e.V.
Dr. Martin Danner, Bundesgeschäftsführer

Kirchfeldstraße 149
40215 Düsseldorf

Tel.: 0211 31006-49
Fax: 0211 31006-48
Mail: geschaeftsfuehrer(at)bag-selbsthilfe.de

www.bag-selbsthilfe.de