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Hart an der Grenze – Herausforderung und Überforderung in der Selbsthilfe

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Die Aufgaben nehmen nicht ab. Es wird immer mehr Arbeit anstatt weniger.

Dieses Gefühl kennen viele Engagierte in der Selbsthilfe.

 

Wenn das freiwillige Engagement zur Belastung wird

Selbsthilfe bedeutet gegenseitige Unterstützung, gemeinsames Handeln und auch die Bestätigung, anderen helfen zu können und gebraucht zu werden. Die Aktiven fühlen sich dadurch gestärkt und schöpfen neue Lebenskraft. Jedoch ist Ehrenamt oft auch Arbeit, die neben der persönlichen Erfüllung auch Herausforderungen mit sich bringt.

Ob eine Aufgabe als Aufgabe, als Herausforderung oder als Überforderung wahrgenommen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sind genügend innere Ressourcen, etwa positive Motivation, Wissen und starkes Selbstwertgefühl vorhanden, stellt sich meist ein sehr gutes Gefühl („das macht mir Spaß“) ein. Stimmen auch die äußeren Rahmenbedingungen, wie ausreichend Zeit für die anstehende Aufgabe oder Anerkennung für das Engagement, bleibt der Energiepegel meist hoch. Tritt jedoch im Laufe der Zeit die Situation ein, dass nicht genügend innere und/oder äußere Ressourcen vorhanden sind, kann es – manchmal schleichend und unmerklich – zu einem Belastungserleben und somit zur Überforderung kommen.

Auf Überforderungssituationen reagiert der Mensch mit Stress. Dies ist erst einmal nicht negativ. Denn dadurch wird Energie freigesetzt, die uns oft auch zu Höchstleistungen anspornt. Folgt dann auf eine Belastungsphase eine Zeit der Entspannung, kann sich der Körper regenerieren. Schwierig wird es, wenn sich der Körper in einem andauernden Stresszustand befindet. Dann können körperliche Beschwerden bis hin zu ernsthaften Organerkrankungen auftreten.

 

Wie kann Überforderung vorgebeugt werden? Warum ist es so schwierig die Balance zu halten?

Die eigenen Grenzen zu kennen und diese auch zu achten, ist dringend erforderlich, um „gesund“ und motiviert zu bleiben. Sicherlich kennt jeder eine Vielzahl von Strategien, die ihm helfen, im Alltag Stress abzubauen: Sei es der abendliche Spaziergang mit dem Hund, die sportliche Betätigung oder ein Ausflug mit Freunden.

Über das „Gelegentlich etwas für sich tun“ hinaus bestehen weitere individuelle Strategien, die dabei helfen können, Überforderungssituationen besser zu meistern:

  • Analyse der eigenen Überforderungssituation
    • Aktive Auseinandersetzung mit eigenem Stress
    • Antreiber erkennen und aktiv Gegenmaßnahmen ergreifen
  • Aufbau von Fertigkeiten, effektiv mit Stress umzugehen
    • Auf den Körper achten
    • Beziehungen pflegen
    • Andere sinnvolle Tätigkeiten suchen
    • Spiritualität leben
    • Werte, Ziele und Lebensinhalte prüfen
  • Reduzierung der Belastungen
    • Nein-Sagen üben
    • Zeitmanagement
    • Die eigene Rolle überdenken

 

Darüber hinaus sollten aber auch die Organisationen Maßnahmen ergreifen, um der Überforderung Einzelner vorzubeugen. Im organisatorischen Bereich bestehen einige Möglichkeiten, die bei der Strukturierung und dem Management von ehrenamtlicher Arbeit hilfreich sein können:

  • Reduzierung der Sprechzeiten
  • Arbeitsteilung
  • Aufgabenbeschreibungen
  • Zeitpläne
  • Regelmäßige Supervisionen und Weiterbildungen
  • Organisationsberatung

 

Für die Sensibilisierung innerhalb der Organisationen wurden im Rahmen des Schulungskonzepts „Hart an der Grenze“ verschiedene Methoden und Materialien entwickelt, die individuell genutzt werden können:

  • Der Vortrag kann sowohl für einen ersten Einstieg in das Thema als auch für die konkrete Wissensvermittlung genutzt werden.
  • Ein zweitägiger Workshop wurde konzipiert und evaluiert, in dem sich Engagierte mit anderen Teilnehmenden über eigene Überforderungssituationen austauschen können.
  • Der „Methodenkoffer“ bietet ReferentInnen die Möglichkeit, die passende Methode für eine Schulung auszuwählen.
  • Eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil, um Überforderung in der Selbsthilfe anzugehen.

 

Weiterhin zeigt die Erfahrung, dass man gerade in arbeitsintensiven Zeiten Gefahr läuft, das Thema „Überforderung“ aus den Augen zu verlieren. Daher sollte in der Organisation ein „Beauftragter“ / eine „Beauftragte“ das Thema „Überforderung“ wachhalten.


Die verschiedenen Methoden und Materialien werden in dem Handbuch „Hart an der Grenze – Herausforderung und Überforderung in der Selbsthilfe“ ausführlich beschrieben.

Der Flyer „Hart an der Grenze – Herausforderung und Überforderung in der Selbsthilfe“ fasst die wichtigsten Aspekte zum Thema Überforderung zusammen und bietet eine erste Orientierung für ratsuchende Männer und Frauen.

 

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